Mittwoch, 2. März 2016

Password Hamsterrad 1.1

Wie gestern schon angekündigt (hier nochmal zum nachlesen) hier die Tipps und Tricks von Katrhin vom Blog ÖkoHippieRabenmutter.

Ja, ich hatte Pipi in den Augen, weils einfach so herzlich, berührend und wundervoll geschrieben ist. Und weils so passend war! Dickes Danke dafür!! :)

Los gehts! Viel Spaß! :)




Stellt euch das mal vor. Da schreibt mir Frau Schnäselchen Anfang Januar doch eine Mail, in der sie mir schildert, wie sehr sie sich in ihrem Hamsterrad doch langweilt und ob ich denn nicht sozusagen Alltagsmeisterungsideen für sie hätte.

Iiiiiiiiiiiich? Wo ich doch vor allem ständig im Alltag so richtig schön verkacke? Wo ich ständig Termine absage und wenn nicht, dann aber auf jeden Fall viel viel viel zu spät komme weil ich es einfach nicht gebacken bekomme, zwei so kleine Kinder zeitgleich fertig zu machen, ungestresst das Haus zu verlassen, am Zielort auszupacken und einigermaßen sicher zu transportieren? Ich, deren Haushalt aussieht, wie das Innere der Garage einer Auswandererfamilie nach einem starken Tornado?
Ich, die mit einem vollgespuckten T-Shirt abwägt, wie oft am Tag es vermutlich noch voll gespuckt oder voll gepullert wird und ob es sich lohnt, es schon zu waschen?

Nee. AlltagsMEISTERUNGSideen habe ich wirklich nicht.

Aber ich kann erzählen, wie ich die 17 Stunden Tage mit meinen beiden Söhnen im Mini-Altersabstand von nur 19 Monaten durchstehe ohne den Verstand zu verlieren.

1.) Kaffee.
Leute, lasst uns pragmatisch sein. Ohne Kaffee läuft nix. Is einfach so. Stillen hin oder her. Ich stehe um 5 Uhr auf und darf frühestens um 22 Uhr schlafen. Es werfe den ersten Stein, wer das ohne Koffein schafft. Und kommt mir nicht mit Matcha 😋

2.) Musik
Ja. Hier. Ich oute mich. Ich höre den ganzen lieben langen Tag Musik. Früher "I'm on a Highway to hell". Heute "Meeeeeeeein Platz im Auto ist hinteeen". Und dabei springe ich vollkommen überdreht und bekloppt durch das Kinderzimmer. Und mein großer Kleiner, der auch. Und der kleine Kleine lacht uns dabei aus. Dabei schütte ich Endorphine aus und kriege automatisch gute Laune.

3.) Kochen, backen, essen.
Und wenn diese Reihe abgeschlossen ist, dann von vorn. Denn gefangen im Hamsterrad hat das vor allem einen Vorteil: man kann Kleinkinder einbinden. Das Baby in die Tragehilfe oder ins Tuch auf den Rücken, den großen in seinen Lernturm; der darf helfen. Rezepte ausprobieren, Dinge erschaffen, dem Kind ein Bewusstsein für gesunde Ernährung lehren und sich belohnen, mit leckeren Köstlichkeiten.

4.) Haushalt.
Einfach liegen lassen. Der macht nicht glücklich.

5.) Wäsche.
Den Mann machen lassen. Gerechte Arbeitsteilung, nennt man das.

6.) Ventile schaffen
Ok ok. Punkte 1-5 waren ja ganz lustig. Aber jetzt mal ehrlich: wie kommt Frau Schnäselchen raus aus ihrem Hamsterrad und rein in einen Alltag, der sie erfüllt? Ja, diese Frage habe ich mir gestellt und dabei festgestellt, dass das Wort "Hamsterrad" bis ich es auf ihrem Blog und in ihrer Nachricht an mich las, gar nicht so präsent im Kopf hatte. Klar, hier gibt's einen Alltag und der wird auch nicht viel anders sein als der anderer Familien. Und ja, wir haben feste Rituale. Und hm ja, eigentlich hat sie Recht.... Hamsterrad trifft es ganz gut...

Ich erwischte mich also dabei, mich selbst in einem Hamsterrädchen zu befinden. Ohne es wirklich gemerkt zu haben. Unsere Tage, unsere Wochen, laufen immer gleich ab. Mir gibt das Sicherheit und den Kindern auch. Jedes leichte Abkommen vom Wegesrand versetzt mich schnell in Panik. Meine Kinder sind noch sehr klein, ich habe das dauernde Bedürfnis, hier ständig Oberwasser zu haben, alles unter Kontrolle zu haben, alles zu überwachen. Und das heißt eben auch oft, lieber den starren, bekannten Weg zu gehen, als mal links und rechts abzubiegen.

Nun lernte ich also mein eigenes Hamsterrad kennen und fragte mich, ob ich es mochte. Naja. Geht so. Mein Leben als Mutter ist so ganz anders als mein Leben vorher. Das war auch ein Hamsterrad, aber ein anderes. Das mochte ich aber auch nicht. Aber unglücklich bin ich doch auch nicht. Oder?

Ich stellte fest, dass es einige Stellschräubchen an gewissen Ventilen sind, die mir in diesem Irrenhaus helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dinge, die ich nur für mich tue, auf die weder meine Kinder noch mein Mann Einfluss haben und die mich irgendwie erfüllen. Bloggen gehört da an erster Stelle genannt. Aber eben auch kochen, backen, essen. Durch die Wohnung tanzen. Zum Sport gehen. Oder ganz früh morgens an die klirrendkalte frische Luft, mit dem Hund spazieren. Mir Freiheiten rausnehmen, für die mich andere vielleicht als Rabenmutter abstempeln (wie stillend Kaffee zu trinken, zum Beispiel). Gleichermaßen besuche ich gern Krabbelgruppen, Stillcafés und Elterntreffs. Weil ich die Zeit mit meinen Kindern nicht sinnvoll allein verbringen kann, fragt ihr vorwurfsvoll?
Ja.
Ich kann eben nur kochen und backen und tanzen. Ich bastele nicht, ich nähe nicht. Ich gehe in den Wald mit meinen Kindern oder zum nahegelegenen Bauernhof. Wir gehen auf den Spielplatz. Wir spielen mit Knete, mit der Eisenbahn. Bauen ein Haus aus einem Karton. Toben durch das Bett. Singen. Spielen. Lachen.
Aber - steinigt mich - es langweilt mich spätestens an Tag 4. Ich fühle mich nicht wie eine schlechtere Mutter, nur weil ich nicht vollends darin aufgehe, mit meinen Kindern zu basteln. Es ist menschlich, ich habe nun mal andere Interessen und nicht immer deckt sich das mit denen meiner Kinder. In Krabbelgruppen darf ich mich mit Eltern über Themen unterhalten, so mit Erwachsenen und ganzen Sätzen und so und meine Kinder kommen trotzdem voll und ganz auf ihre Kosten. Auch das ist ein Ventil für mich: quatschen, Eltern treffen, sich beraten, Kaffee trinken. Es hilft mir, meine Perspektive zu wechseln, mich von außen zu betrachten, den Kopf frei zu bekommen und anschließend gestärkt, weil abgelenkt und zufrieden, zurückzukehren in mein Hamsterrädchen, das mich vielleicht nervt, aber das eben immer noch mein Leben ist.

"Dein Alltag ist ihre Kindheit" - dieser Spruch begleitet mich. Schleicht sich bei euch beim Lesen auch als erstes mal ein komisches Gefühl ein? So war es bei mir. Aber das ist Erfolgsdruck. Man wünscht sich die perfekte Kindheit für sein Kind und wenn einem der Alltag nicht gefällt, dann kann da ja keine schöne Kindheit draus resultieren oder?
Deswegen: liebt euer Hamsterrad. Poliert es. Pflanzt Blumen. Putzt die Stäbchen. Dreht euch mal links und rechts. Knabbert ein Eckchen ab. Hängt Bilder auf. Genießt.

Eines Tages, von jetzt auf gleich, werden unsere Kinder große, erwachsene Menschen sein, die vielleicht über ihr Leben als Eltern bloggen und sich mit anderen Bloggern darüber beraten, wie sie denn jetzt aus ihrem Hamsterrad kommen. Und dann werden wir sie ansehen und uns fragen, wo die Zeit war. Wieso wir nur so wenig davon bekommen. Ob wir sie optimal genutzt haben. Ob wir alles richtig gemacht haben. Wir werden uns für immer und ewig reflektieren und erst in vielen vielen Jahren wissen, ob all die Entscheidungen, die wir treffen mussten, die richtigen waren.

Doch die Zeit, in der wir stumpf in unserem Hamsterrädchen hin und her kullern, weil unsere Kinder zu klein sind, um was anderes zu tun, als eben zu kullern, die ist verdammt kurz. Vielleicht hilft es uns allen, unser Hamsterrad so zu nehmen wie es ist, es zu lieben und zu pflegen und zu akzeptieren, dass es nicht nur unser Leben ist, sondern auch das unserer Kinder.

Also, Frau Schnäselchen - ich kann dir keine Tipps geben, den Alltag zu meistern. Denn ich gehöre ganz sicher nicht zu den Eltern, die hier von Meistern sprechen dürfen. Eher davon, beim Absaufen noch über sich selbst zu lachen. Das ist vielleicht meine X-Men-Fähigkeit: absaufen, lachen, "Aramsamsam" anmachen, Mund abputzen, Tanzen, und wieder von vorne.
Denn ich weiß, es sind nur noch ganz wenige Jahre, bis meine Kinder "Mama du bist so peinlich"-Jahre alt sein werden und ich mich zurücksehne nach langweiligen, durchstrukturierten Tagen, in denen mein großer Kleiner mit mir immer wieder den selben Kuchen backen wollte, anstatt seine Freunde im Park zu treffen.

Genießt die Zeit. Denn von allem, mit dem wir im Leben beschenkt werden, haben wir davon einfach viel zu wenig.

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